701 Fälle von Online Hass und Hetze sowie Cyber Mobbing hat die Beratungsstelle #GegenHassimNetz in den ersten sechs Monaten zwischen dem 1. September 2017 und 28. Februar 2018 dokumentiert. Zusätzlich wurden 24 allgemeine Infofragen zum Thema Hass im Netz an die Stelle gerichtet.

Mit Abstand am häufigsten wurden Hasspostings gemeldet, die auf Facebook gefunden wurden (451), gefolgt von hetzerischen Online-Artikeln und Kommentaren (52) sowie verletzende Inhalte auf Twitter (38) und YouTube (37).

Nicht inkludiert sind allgemeine Anfragen zu Hass im Netz und Angriffe gegen ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit. „Andere“ beinhaltet nicht so häufig vorkommende Medien (z.B. Instagram), sowie diejenigen Fälle, bei denen das Medium nicht bekannt gegeben wurde.

 

Am häufigsten im Netz attackiert, beschimpft und bedroht wurden Muslim*innen sowie Geflüchtete – ein Trend der seit eineinhalb Jahren kontinuierlich anhält. Am dritthäufigsten zu verzeichnen waren allgemein herabwürdigende Inhalte. Verstärkt zu Tage getreten sind zudem Hassinhalte gegen Frauen, wobei gerade hier auch mehrfach diskriminiert wurde. Frauen waren zusätzlich stark sexualisierter Gewalt ausgesetzt, wie etwa durch Aufforderungen oder Drohungen im Zusammenhang mit Nacktbildern.

Ebenfalls häufig sind antisemitische Inhalte sowie allgemein rassistische Äußerungen vorgekommen. Auffällig war, dass öffentliche Ereignisse wie der Nationalratswahlkampf, die Geburt des Wiener Neujahrsbabies Asel, dessen Mutter auf dem Foto ein Kopftuch trägt, oder auch Falschmeldungen zum vermeintlichen Nikoloverbot zu einer Flut an hasserfüllten Botschaften und Kommentaren auf social media und den Online-Portalen der Zeitungen geführt haben.

Mehrfachauswahl pro Fall möglich. Sonstige Herabwürdigungen sind herabwürdigende und/oder diskriminierende Aussagen, die sich nicht auf einen bestimmten Diskriminierungsgrund beziehen, aber dennoch auf ähnliche diskiminatorische Menchanismen abzielen. „Rassimus allgemein“ bedeutet, wenn keine Diskriminierung gegen eine spezifische Gruppe sondern allgemein fremden- oder asuländer*innenfeunliche Aussagen, bei Hassmeldungen gegen Anti-Rassismus-Arbeit oder bei allgemeinen Info-Anfragen zu rassistischen Inhalten.

 

Die dokumentierten Postings erfüllten am häufigsten den Tatbestand der Verhetzung (249), gefolgt von Inhalten, die Hass und Gewalt verbreiten (173) sowie Beleidigungen (145).

Inklusive mehrere Tathandlungen pro Fall. „Sonstige“ Tathandlungen sind andere, nicht so häufig vorkommnde STraftaten sowie nicht strafbare Tathandlungen. STraftaten „gg. die Freiheit“ umfassen Delikte, wie Gefährliche Drohung, Nötigung oder Beharrliche Verfolgung. „Aufruf zu Hass/Gewalt“ sowie „Verbreitung von Hass/Gewalt“ sind Tatkategorien, die nicht strafrechtlich relevant sind.

 

Außer der detaillierten Dokumentation aller Fälle hat das Team der Beratungsstelle #GegenHassimNetz den meldenden User*innen eine rechtliche Einschätzung der Inhalte gegeben als auch Handlungsoptionen aufgezeigt sowie Ziele und etwaiges weiteres Vorgehen besprochen. Von den Melder*innen waren 104 direkt von Hasspostings, Cyber Mobbing oder anderen Formen von verbaler und psychischer Gewalt im Internet betroffen – darunter drei Viertel Frauen. In Fällen, bei denen die Melder*innen von Hasspostings stark beeinträchtigt waren, haben die Mitarbeiter*innen der Stelle die Betroffenen an andere Einrichtungen weiterverwiesen, die für deren spezielle Bedürfnisse entsprechende Angebote bereithalten.

„Wir erleben leider immer wieder, dass Betroffene massiv unter Online-Hass und Hetze leiden. Wenn Personen mehrfach online beschimpft oder bedroht werden, oder gar von einer ganzen Gruppe wie beispielsweise bei Facebook oder WhatsApp, kann das dazu führen, dass sie sich schämen, stark verunsichert sind und sich kaum trauen, mit jemandem darüber zu sprechen, auch wenn sie von der unangenehmen Situation total vereinnahmt sind“ berichtet ZARA-Geschäftsführerin Claudia Schäfer. „Deshalb“, so ihr Appell, „machen Sie auf die Beratungsstelle #GegenHassimNetz aufmerksam und helfen damit den Betroffenen, zu uns zu finden, so dass wir ihnen helfen können.“